Indie

bzw. Selfpublisher ist exakt das, was ich am Anfang meines Autorendaseins einige Jahre lang (und letztlich absolut gern) war: Ein Autor, der zwei Seiten bis zwei Kapitel seines Manuskripts bei diversen Verlagen völlig naiv eingereicht hat, um es dann im Allgemeinen ungelesen zurückzubekommen. Lediglich zwei kleine Verlage machten eine Ausnahme: Die Lektoren waren begeistert, aber die Verlage trauten sich ein so dickes Buch, das so gar nicht ins Sortiment passen wollte, nicht zu.
Nun wusste ich also, dass mir von Verlagsseite her (Zitat) großes Talent, ein fesselnder Schreibstil und ein ebensolches Sprachvermögen bescheinigt wurde, und dass meine Testleser einen Nachfolgeband erwarteten.

Ich hatte also die Wahl zwischen
1. ich verbrenne frustriert mein Manuskript und schrotte den Computer oder
2. ich gründe einen Verlag und bringe das Buch selber heraus.
Dazwischen gab es nichts. Wer mich kennt, weiß, dass ich zu Extremen neige.
Aus naheliegenden Gründen entschied ich mich für Variante 2.

Nun, als Selfpublisher hat man enorme Vorteile, und ich liebe es wirklich. Ich bestimme absolut selbst, was ich schreibe und wie ich es schreibe. Ich kann die Figuren verwenden, die ich möchte. Das wiederum hat den erfreulichen Effekt, dass ich mich in Ruhe auf die Wohnzimmercouch sinken lassen kann, ohne dass dort ein Wesen sitzt, das mich vorwurfsvoll anstarrt, weil ich es aus meinem Buch werfen oder ermorden musste.
Meine Fantasiefiguren begleiten mich fast ständig, das ist bisweilen etwas lästig. Schwierig wird es, wenn ich ahnungslos die Kühlschranktüre öffne, im Gedanken gerade eine romantische Szene entwerfe, und mir ein bösartiger Oger entgegenplatzt, der eigentlich in diesem Buch gar nichts zu suchen hat – und in meinem Kühlschrank schon gar nicht. Aber irgendetwas an ihm hat mir gefallen ... war es das Glitzern in seinen Augen, als er sich demonstrativ die Flasche Prosecco krallte, mit den gelbverfärbten Stummelzähnen öffnete und sie sich in den stinkenden Schlund kippte? Vielleicht bringe ich ihn noch irgendwo unter.

Eldorin und meine Autorenseite Gaby Wohlrab findet ihr auch auf Facebook.

Inwischen bin ich wohl ein Hybrid-Autor (was mich immer an die Autoindustrie erinnert). Das heißt, ich habe (und darüber bin ich selbst vermutlich am meisten verblüfft, denn es war absolut nicht geplant) einen Vertrag beim Carlsen Verlag unterschrieben. Das ist nun einer, der mir absolut sympathisch ist und mit dem es sich hervorragend zusammenarbeiten lässt. Ich bin mega gespannt, wie sich alles entwickeln wird.

Ich bringe immer noch einen Teil meiner Bücher selbst heraus, momentan Eldorin und die Märchenserie »Neue Märchen«, die ich mit meiner Freundin und Kollegin Isabell Schmitt-Egner begonnen habe.

So, und nun werde ich mich ein bisschen in die Arbeit stürzen und vorher den randalierenden Oger ruhigstellen.

Ganz liebe Grüße!

Eure Gaby Wohlrab

Kommentare:

  1. hallo Gaby :) der Artikel ist echt mal gut geschrieben. Dein styl gefällt mit sau gut :) lg von Ria www.buecherweltvonria.blogspot.de

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  2. Liebe Frau Wohlrab, ich lese seit sehr vielen Jahren - und eigentlich ständig - die unterschiedlichsten Arten Geschriebenes; Biografien, Thriller . . . aber am liebsten Fantasy-Romane! Das fing seinerzeit, wie bei vielen meiner "Leidensgenossen", mit Tolkien an und seit diesen Tagen bin ich ständig auf der Suche nach entsprechendem "Stoff", um diese meine Sucht zu befriedigen! Jetzt kann man ihre Eldorin-Saga nicht mit dem Lebenswerk von Tolkien vergleichen (ich denke, sie haben ja auch nicht diesen Anspruch), aber auf jeden Fall haben sie mir einige sehr unterhaltsame Stunden bereitet. Sie benutzen beim Schreiben eine sehr spannende und lebendige Art und Weise, die den Leser jederzeit "bei der Stange" hält und auf kommendes absolut neugierig macht! Zudem beschreiben sie auch in sich schlüssige und nachvollziehbare Handlungsstränge (soweit dieses im Rahmen einer fantastischen Geschichte möglich ist), die sich dann als Geschichte wirklich wunderbar lesen lassen! Kompliment hierfür und bitte weiter so! Wann können ihre Fans denn mit der Veröffentlichung der Fortsetzung rechnen? Liebe Grüße - Jürgie

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    1. Herzlichen Dank, ein tolles Kompoment! Nein, mich mit Tolkien zu vergleichen wage ich wirklich nicht, noch war es je meine Absicht, genauso zu schreiben. Ich bin grad bei Kapitel 13 (vermutlich werden es 14), wobei diese wieder sehr lang sein werden (je ca. 40 Seiten). Geplant ist die Veröffentlichung von Teil 2 Ende Oktober, das kommt nun einfach drauf an, wie schnell ich die Handlungsstänge für das Finale verknüpfen kann – und wie zuverlässig die Druckerei arbeitet. Lange dauert es auf alle Fälle nicht mehr! Und dann: Ganz viel Spaß damit!
      Liebe Grüße

      Gaby Wohlrab

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